Feldlast im Regalfeld: die Grenze der Gesamtbelastung

Was die Feldlast begrenzt, wovon sie abhängt und warum sie beim Umbau neu bewertet werden muss. Mit den Betreiberpflichten nach BetrSichV.

Eitel Daniel​​
16. Juni 2026​ · 7

Die Feldlast bezeichnet die maximal zulässige Gesamtlast aller Ebenen eines Regalfeldes, also des Abschnitts zwischen zwei Ständerrahmen. Sie wird vom Hersteller rechnerisch nachgewiesen und gilt unabhängig von der zulässigen Last der einzelnen Ebene.

Wer im Lager auf Nummer sicher gehen will, schaut meist auf den Fachboden. Das ist naheliegend, greift aber zu kurz. Ein Regal kann auf jeder einzelnen Ebene innerhalb der zulässigen Werte bleiben und trotzdem überlastet sein, weil sich die Lasten im Rahmen summieren. Genau diese Summenwirkung beschreibt die Feldlast. Sie ist die Größe, die über die Standsicherheit der gesamten Konstruktion entscheidet.

Vom Fach zum Feld: was die Feldlast wirklich misst

Ein Regalfeld ist der Bereich zwischen zwei benachbarten Ständerrahmen. Alles, was in diesem Bereich auf allen Ebenen liegt, wird über die Traversen in die Rahmen eingeleitet und von dort in den Boden abgetragen. Die Feldlast begrenzt genau diese Summe.

Das Prinzip lässt sich an einer einfachen Beispielrechnung zeigen. Die folgenden Werte dienen ausschließlich der Veranschaulichung und sind keine Angaben zu einem konkreten Regalsystem. Ein Regal mit fünf Ebenen und einer zulässigen Fachlast von je 300 Kilogramm käme rechnerisch auf 1.500 Kilogramm. Läge die zulässige Feldlast des Systems bei 1.200 Kilogramm, wäre diese Belegung unzulässig, obwohl keine einzelne Ebene ihre Grenze erreicht. Beide Werte gelten gleichzeitig, und der jeweils niedrigere begrenzt die Belegung.

In der Praxis entsteht das Problem schleichend. Ein Lager wird selten von Anfang an überlastet. Es wird nachverdichtet: eine zusätzliche Ebene hier, ein schwereres Sortiment dort, ein Restposten, der vorübergehend mit hineinsoll. Jede dieser Entscheidungen ist für sich harmlos, und in der Summe wandert das Feld über seine Grenze.

Hinzu kommt, dass die Feldlast im Alltag weniger präsent ist als die Fachlast. Der Fachboden ist sichtbar, das Feld ist ein gedachter Abschnitt. Wer eine Palette absetzt, denkt an die Ebene, auf der sie steht, nicht an die vier Ebenen darüber und darunter. Genau deshalb gehört die zulässige Feldlast gut lesbar an das Regal, und zwar dort, wo sie beim Einlagern tatsächlich ins Blickfeld gerät.

Wovon die zulässige Feldlast abhängt

Die Feldlast ist das Ergebnis einer statischen Bemessung. Für verstellbare Palettenregale aus Stahl ist die DIN EN 15512 die einschlägige Bemessungsnorm, für andere Systeme gelten die jeweils passenden technischen Regeln. Vier Größen bestimmen den Wert maßgeblich.

Der Ständerrahmen. Profilquerschnitt, Blechstärke und Stahlgüte bestimmen, welche Last der Rahmen aufnehmen kann. Er ist das eigentlich tragende Bauteil, nicht der Fachboden.

Die Höhe und die Feldweite. Je höher das Regal und je größer der Abstand zwischen den Rahmen, desto ungünstiger werden die Hebelverhältnisse. Zwei Anlagen mit identischen Bauteilen können deshalb sehr unterschiedliche Feldlasten haben.

Die Aussteifung. Diagonalen im Rahmen und rückseitige Kreuzverbände nehmen Horizontalkräfte auf und halten das Regal in Form. Bei den Fachbodenregalen der Serie P3X sind rückseitige Kreuzverbände für die Stabilität erforderlich. Wer sie beim Umbau weglässt, verändert die statische Situation grundlegend, auch wenn das Regal zunächst stabil wirkt.

Der Standort. Bodenbeschaffenheit, Verankerung und die Erdbebenzone am Standort gehen in die Auslegung ein. Gerade der letzte Punkt wird häufig übersehen, weil er in weiten Teilen des DACH-Raums nicht relevant ist, in bestimmten Regionen aber sehr wohl.

Warum die Feldlast über die Standsicherheit entscheidet

Eine überlastete Ebene führt zunächst zu Durchbiegung. Ein überlastetes Feld wirkt anders: Die Lasten drücken auf den Rahmen, die Verbindungen zwischen Traverse und Ständer werden stärker beansprucht, und die Konstruktion verliert an Reserve gegenüber Horizontalkräften. Kommt dann eine Anfahrbeschädigung am Ständer hinzu, fehlt genau die Tragfähigkeit, die den Schaden hätte auffangen können.

Deshalb sind Anfahrschäden am Rahmen sicherheitstechnisch anders zu bewerten als eine verbogene Traverse. Ein eingedrückter oder verformter Ständer verliert einen erheblichen Teil seiner Tragfähigkeit, und zwar für das gesamte Feld. In solchen Fällen wird das betroffene Regal oder die betroffene Regalzeile aus der Verwendung genommen, bis der Schaden sachgerecht behoben ist. Einzelne Befunde am Bauteil zu markieren und weiterzubetreiben ist keine Alternative.

Zur Instandsetzung ein Hinweis, der im Markt häufig falsch dargestellt wird: Beschädigte Bauteile können ersetzt oder instandgesetzt werden, und die Instandsetzung darf grundsätzlich auch durch Firmen erfolgen, die nicht der Hersteller der Anlage sind. Bedingung ist ein schriftlicher Nachweis, dass die grundlegenden Eigenschaften danach mindestens dem ursprünglichen Betriebszustand entsprechen. Auf Anforderung von Behörden oder Unfallversicherungsträgern ist ein Nachweis über die ausreichende Tragfähigkeit vorzulegen.

Was das für den Betrieb bedeutet

Regale sind Arbeitsmittel im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Nach § 14 Abs. 2 BetrSichV sind Arbeitsmittel, die schädigenden Einflüssen ausgesetzt sind, wiederkehrend zu prüfen. Bei Regalen, die mit Flurförderzeugen bedient werden, ist davon in aller Regel auszugehen. Art, Umfang, Prüffristen und die Qualifikation des Prüfpersonals legen Sie als Betreiber nach § 3 Abs. 6 BetrSichV im Rahmen Ihrer Gefährdungsbeurteilung fest.

Den fachlichen Maßstab liefert die DIN EN 15635. Sie ist keine Rechtsnorm, sondern eine anerkannte Regel der Technik, und beschreibt Prüfablauf, Prüfumfang und die Bewertung von Schäden. Für die Experteninspektion nennt sie einen Höchstabstand von zwölf Monaten, der in der Praxis der Regelfall ist. Die Anforderungen an die zur Prüfung befähigte Person ergeben sich aus der TRBS 1203. Ergänzende Hinweise geben die DGUV Information 208-043 „Sicherheit von Regalen“ und die DGUV Information 208-061 „Lagereinrichtungen und Ladungsträger“.

Im Alltag lassen sich daraus vier Grundsätze ableiten. Weisen Sie Fach- und Feldlast am Regal gut lesbar aus, damit Ihr Team die Grenzen überhaupt kennt. Verteilen Sie die Last gleichmäßig über das Feld, denn die Bemessung geht von verteilter Last aus. Lagern Sie schwere Güter in den unteren Ebenen ein, das senkt den Schwerpunkt und verringert die Kippgefahr. Und melden Sie Anfahrschäden konsequent, statt sie optisch zu bewerten.

Der kritische Moment: der Umbau

Die meisten Abweichungen entstehen nicht im Betrieb, sondern beim Umbau. Ebenen werden versetzt, Traversen umgehängt, Felder verlängert oder Regale an anderer Stelle wieder aufgebaut. Modularität ist ein echter Vorteil, sie verschiebt aber die statischen Verhältnisse. Das gilt für Regalanlagen ebenso wie für Lagerbühnen, deren Nutzung sich über die Jahre erfahrungsgemäß verändert.

Drei Punkte gehören deshalb zu jedem Umbau. Erstens: Die zulässigen Lasten sind neu zu bewerten, weil sich mit dem Ebenenabstand auch die Bemessung ändert. Zweitens: Die Belastungshinweise am Regal sind entsprechend zu aktualisieren, denn ein altes Schild an einer umgebauten Anlage ist irreführender als gar keines. Drittens: Aussteifungen und Verankerungen sind vollständig wiederherzustellen.

Für Industrie und Fertigung ist das besonders relevant, wenn schwerere Bauteile in vorhandene Anlagen wandern. Im Handel und E-Commerce trifft es Betriebe mit stark wachsendem Sortiment, die Ebenen nachrüsten, um Artikelplätze zu gewinnen. Und im SHK-Groß- und -Fachhandel entsteht der Druck aus dem heterogenen Sortiment, bei dem Langgut, Kleinteile und sperrige Sanitärobjekte in denselben Feldern konkurrieren. Wer eine Erweiterung von Grund auf plant, klärt diese Fragen in der Reihenfolge der Lagerplanung, also lange vor der Auswahl der Bauteile.

Alles aus einer Hand

Rauscher F.X. plant Lagerlösungen seit 1970 von Krumbach aus und legt Regalanlagen auf Ihre tatsächlichen Lasten und Ihren Standort aus, einschließlich der Erdbebenzone. Die Fertigung erfolgt im Netzwerk der Unternehmensgruppe Groupe Provost an sechs Produktionsstandorten. Die Montage übernehmen qualifizierte Partnerteams, die wir koordinieren und für deren Ergebnis wir geradestehen. Bei Umbauten und Erweiterungen bewerten wir die zulässigen Lasten neu und sorgen für aktualisierte Belastungshinweise. Auf Wunsch organisieren wir die wiederkehrende Prüfung durch befähigte Personen und verantworten das Ergebnis, für Anlagen aus unserem Programm ebenso wie für Anlagen anderer Hersteller.

Die Feldlast begrenzt die Summe aller Lasten in einem Regalfeld und ist damit die Größe, die über die Standsicherheit entscheidet. Sie gilt zusätzlich zur Fachlast, nicht anstelle von ihr, und der niedrigere der beiden Werte begrenzt die Belegung. Kritisch wird es selten bei der Erstauslegung, sondern beim Nachverdichten und beim Umbau. Wer nach jeder Veränderung die Lasten neu bewertet, die Hinweise am Regal aktualisiert und Anfahrschäden am Ständer ernst nimmt, hält seine Anlage sicher und verfügbar.

Sie haben Ihre Anlage erweitert oder das Sortiment verändert und sind unsicher, ob die Auslegung noch passt? Sprechen Sie uns an. Wir sehen uns die Situation vor Ort an und ordnen die Werte für Sie ein.