Mehrgeschossanlage: Kommissionieren auf mehreren Ebenen
Wenn die Grundfläche ausgereizt ist, liegt die Reserve über den Regalen. Wir zeigen, wie eine Mehrgeschossanlage auf Basis der Fachbodenregal-Serie P50 aufgebaut ist und was in der Planung früh zu klären ist.
2. Juni 2026 · 7

Eine Mehrgeschossanlage, im Fachjargon Picktower genannt, ist eine mehrgeschossige Kommissionier- und Lagerstruktur. Sie ermöglicht eine strukturierte Kommissionierung auf mehreren Ebenen und nutzt dabei die vorhandene Hallenhöhe aus. Tragendes Element ist die Fachbodenregal-Serie P50.
Wenn die Grundfläche ausgereizt ist, gibt es drei Wege: anbauen, umziehen oder in die Höhe gehen. Die ersten beiden kosten Zeit, binden Genehmigungsverfahren und legen Kapital für viele Jahre in der Immobilie fest. Der dritte nutzt Raum, den Sie bereits bezahlen. In den meisten Hallen steht über den Regalen mehr ungenutztes Volumen als auf dem Boden noch frei ist.
Was eine Mehrgeschossanlage ist und was sie nicht ist
Eine Mehrgeschossanlage entsteht, indem Laufgänge direkt an den Fachbodenregalen befestigt werden. So entstehen begehbare Ebenen übereinander, auf denen kommissioniert wird. Das Regal ist damit nicht nur Lagerort, sondern zugleich tragende Konstruktion. Auf dieser Basis lassen sich Anlagen mit bis zu fünf Stockwerken realisieren.
Davon zu unterscheiden ist die Lagerbühne. Sie schafft eine zusätzliche Nutzfläche über eine eigene Stützenkonstruktion, unabhängig von der Regaleinrichtung darauf. Eine Lagerbühne ist damit eher eine zweite Etage, eine Mehrgeschossanlage ein durchgehendes Kommissioniersystem.
Wichtig ist auch, was eine Mehrgeschossanlage nicht mitbringt: ein eigenes Flussprinzip. Sie ist ein statisches System ohne systemimmanente Reihenfolge der Ein- und Auslagerung. Wer nach dem FIFO-Prinzip arbeiten möchte, kann das tun, muss es aber über die Prozessorganisation abbilden. Die Konstruktion selbst gibt es nicht vor. Diese Unterscheidung klingt akademisch, ist im Projekt aber entscheidend, weil sie festlegt, wo die Verantwortung für die Reihenfolge liegt.
Der Nutzen: kürzere Wege, mehr Artikel, gleiche Halle
Der offensichtliche Vorteil ist Kapazität. Aus einer Fläche werden drei, vier oder fünf, ohne dass ein Quadratmeter zusätzlich angemietet wird.
Der weniger offensichtliche und meist größere Vorteil sind die Kommissionierwege. In einem flachen Lager wächst die Weglänge mit der Artikelzahl. Kommt Sortiment hinzu, wird das Lager länger, und jeder Auftrag kostet mehr Schritte. In einer Mehrgeschossanlage bleiben die Wege je Ebene kurz, weil sich das Sortiment vertikal staffelt statt horizontal auszubreiten. Bei Sortimenten mit vielen Positionen je Auftrag ist das der eigentliche Hebel, wie die beiden fünfgeschossigen Anlagen für Zalando Lounge zeigen.
Dazu kommt die Ordnung. Mehrere Ebenen erlauben eine klare Zonierung: Schnelldreher auf der Hauptebene mit direkter Anbindung an den Warenausgang, Langsamdreher und Reserveware weiter oben. Diese Trennung lässt sich auf einer Fläche nur mit deutlich längeren Wegen erreichen.
Wofür sich das System eignet
Im Handel und E-Commerce ist die Mehrgeschossanlage die klassische Antwort auf ein schnell wachsendes Sortiment bei begrenzter Halle. Viele Artikel, kleine Mengen je Position, hohe Auftragszahlen: genau das Profil, für das sich die vertikale Staffelung rechnet.
Im Automotive-Sektor trifft sie auf Ersatzteil- und Kleinteilelager, deren Artikelvielfalt über die Jahre wächst, während die Fläche gleich bleibt. Hier arbeitet die Mehrgeschossanlage direkt auf dem, was die Fachbodenregale ohnehin leisten.
In Industrie und Fertigung wird sie eingesetzt, wenn Produktionsversorgung und Lager näher zusammenrücken sollen. Die Anlage lässt sich an den Verbrauchsort heranplanen, statt Wege durch die halbe Halle in Kauf zu nehmen.
Für Handwerksbetriebe ist sie meist erst ab einer gewissen Betriebsgröße sinnvoll. Unterhalb davon bringt eine Lagerbühne oder eine bessere Zonierung der vorhandenen Fläche oft mehr Nutzen bei geringerem Aufwand.
Die tragende Struktur: warum die Serie P50
Tragendes Element der Mehrgeschossanlage ist die Fachbodenregal-Serie P50. Sie ist die Standardlösung für größere, komplexere Anlagen, trägt höhere Lasten als die Serie P3X und arbeitet mit einem glatten Profil ohne Nocken. Die Laufgänge werden direkt am Fachbodenregal befestigt, was Anlagen mit bis zu fünf Stockwerken ermöglicht.
Dieser Wert ist ein bestätigter Sonderfall neben der allgemeinen Geschossregel der Serie. Als reines Fachbodenregal endet ihr Standardbereich bei vier Geschossen, als tragende Struktur der Mehrgeschossanlage sind fünf Stockwerke möglich. Beide Aussagen gelten nebeneinander und beschreiben unterschiedliche Einbausituationen.
Die Fachbodenregal-Serie P70 kann als tragendes Element im Einzelfall ebenfalls infrage kommen, ist aber nicht die Standardlösung. Sie ist zudem ein reines Großprojekt-Produkt und nicht kurzfristig verfügbar.
Mehrgeschossanlage und Fachbodenregale bleiben dabei zwei eigenständige Produkte. Die Serie P50 ist die tragende Komponente, nicht ein anderer Name für dieselbe Sache.
Was in der Planung zu klären ist
Eine Mehrgeschossanlage ist ein Bauwerk in der Halle, und entsprechend früh gehören einige Punkte auf den Tisch.
Die Halle selbst. Nutzbare Höhe, Bodentragfähigkeit, Stützenraster, Position von Toren und Hallenkranen: Diese Rahmenbedingungen bestimmen, was überhaupt möglich ist. Wir nehmen sie vor der ersten Auslegung auf.
Die Lasten. Neben der Lagerlast wirken Verkehrslasten auf den Laufgängen. Beides geht in die Bemessung ein, ebenso die Erdbebenzone am Standort. Für die Regalebenen selbst gelten weiterhin Fachlast und Feldlast nebeneinander.
Der Warentransport zwischen den Ebenen. Kommissionierte Ware muss nach unten, Nachschub nach oben. Ob das über Aufzüge, Rutschen oder organisatorisch gelöst wird, entscheidet über den Durchsatz der gesamten Anlage und gehört in die frühe Konzeptphase.
Sicherheit und Zugänge. Geländer, Absturzsicherungen an Übergabestellen, Treppen und Fluchtwege sind Teil der Konstruktion. Ebenso relevant sind Brandschutz und Genehmigungsfragen, die je nach Bundesland und Nutzung unterschiedlich ausfallen. Diese Punkte klären wir gemeinsam mit Ihnen und, wo nötig, mit Ihren Planern.
Die Zukunft. Modulare Anlagen lassen sich erweitern, umbauen und an anderer Stelle wieder aufbauen. Wichtig ist, dass die zulässigen Lasten nach jedem Umbau neu bewertet und die Belastungshinweise am Regal aktualisiert werden.
Die Rechnung dahinter: Kosten, Zeit und Nachhaltigkeit
Der Vergleich fällt selten knapp aus. Eine Hallenerweiterung bedeutet Grundstück oder Anbau, Genehmigungsverfahren, Bauzeit und dauerhaft höhere Betriebskosten für Fläche, Heizung und Beleuchtung. Eine Mehrgeschossanlage nutzt Volumen, das bereits im Mietvertrag oder in der Abschreibung steht, und verändert die laufenden Kosten kaum.
Dazu kommt der Zeitfaktor. Eine Mehrgeschossanlage lässt sich in vielen Fällen abschnittsweise und im laufenden Betrieb umsetzen. Das ist kein Nebenaspekt: Für die meisten Betriebe ist ein stillstehendes Lager teurer als die Investition selbst.
Nicht vergessen sollten Sie die Arbeitsbedingungen auf den oberen Ebenen. Beleuchtung, Belüftung und Wärmeschichtung unter dem Hallendach unterscheiden sich spürbar von der Situation am Boden. Wer das in der Planung berücksichtigt, vermeidet Nacharbeit an einer Stelle, die im Betrieb täglich auffällt.
Der ökologisch wirksamste Teil einer Mehrgeschossanlage ist der Bau, der nicht stattfindet. Wer vorhandene Hallenhöhe nutzt, spart die Fläche, den Beton und die Erschließung einer Erweiterung. Dazu kommt, dass eine Stahlkonstruktion aus modularen Bauteilen rückbaubar bleibt und sich bei einem Standortwechsel weiterverwenden lässt. Das ist kein Zusatzargument für den Nachhaltigkeitsbericht, sondern ein handfester Faktor in der Investitionsrechnung.
Alles aus einer Hand
Rauscher F.X. plant Mehrgeschossanlagen seit über 50 Jahren von Krumbach aus, mit Erfahrung aus Regaltechnik und Stahlbau. Wir nehmen Halle, Sortiment und Prozesse auf, legen die Struktur aus und stimmen sie mit Ihren Planern ab. Die Fertigung erfolgt im Netzwerk der Unternehmensgruppe Groupe Provost an sechs Produktionsstandorten. Die Montage übernehmen qualifizierte Partnerteams, die wir koordinieren und für deren Ergebnis wir geradestehen. Auf Wunsch erfolgt die Umsetzung abschnittsweise im laufenden Betrieb. Ein Ansprechpartner bleibt für Sie verantwortlich, von der ersten Skizze bis zur Übergabe.
Die Mehrgeschossanlage macht aus einer Lagerfläche mehrere Kommissionierebenen und nutzt dabei Raum, den Sie bereits bezahlen. Ihr größter Vorteil liegt weniger in der zusätzlichen Kapazität als in den kürzeren Wegen je Auftrag. Tragendes Element ist die Fachbodenregal-Serie P50, die in dieser Einbausituation bis zu fünf Stockwerke ermöglicht. Ein Flussprinzip bringt das System nicht mit, das bleibt Aufgabe Ihrer Prozessorganisation. Entscheidend für den Erfolg sind die frühen Klärungen: Hallenhöhe, Lasten, Warentransport zwischen den Ebenen und die sicherheitstechnischen Anforderungen.
Sie überlegen, ob sich die Höhe in Ihrer Halle nutzen lässt? Schicken Sie uns Ihre Anfrage. Wir sehen uns die Situation an und zeigen Ihnen, was auf Ihrer Fläche möglich ist.





