Fachlast im Regal

Was die Fachlast aussagt, wovon sie abhängt und welche Pflichten Betreiber nach BetrSichV und DIN EN 15635 haben. Kompakt erklärt.

Eitel Daniel​​
14. Juli 2026​ · 7

Die Fachlast bezeichnet die maximal zulässige Last, die eine einzelne Regalebene tragen darf. Sie wird vom Hersteller rechnerisch nachgewiesen, am Regal ausgewiesen und ist im laufenden Betrieb vom Betreiber einzuhalten.

Im Lageralltag entscheidet sich der sichere Betrieb selten an spektakulären Momenten. Er entscheidet sich daran, ob die Palette mit den Ersatzteilen auf die richtige Ebene kommt und ob jemand weiß, wie viel diese Ebene überhaupt tragen darf. Genau hier setzt die Fachlast an. Sie ist keine Empfehlung des Herstellers, sondern eine Bemessungsgrenze mit direkten Folgen für Arbeitssicherheit, Lebensdauer und Verfügbarkeit Ihrer Anlage.

Was die Fachlast beschreibt und was sie nicht abdeckt

Die Fachlast gilt immer für eine einzelne Ebene, also für einen Fachboden oder ein Traversenpaar mit Auflage. Sie sagt aus, welches Gewicht diese Ebene aufnehmen darf, ohne dass unzulässige Verformungen entstehen.

Davon zu unterscheiden ist die Feldlast. Sie beschreibt die zulässige Gesamtlast aller Ebenen eines Regalfeldes, also des Abschnitts zwischen zwei Ständerrahmen. Beide Werte gelten gleichzeitig und unabhängig voneinander. Ein Regal kann auf jeder einzelnen Ebene innerhalb der Fachlast bleiben und trotzdem die zulässige Feldlast überschreiten, weil sich die Lasten im Rahmen summieren. Wer nur auf einen der beiden Werte schaut, hat die Anlage nur zur Hälfte im Griff.

Ebenfalls nicht in der Fachlast enthalten sind Standsicherheit, Verankerung im Boden und die Lastverteilung über die Fläche. Diese Themen gehören zur Auslegung der Gesamtanlage und werden in der statischen Berechnung behandelt, nicht auf dem Belastungsschild.

Wovon die zulässige Fachlast abhängt

Die zulässige Fachlast ist keine gegriffene Zahl, sondern das Ergebnis einer Bemessung. Für verstellbare Palettenregale aus Stahl ist die DIN EN 15512 die einschlägige Bemessungsnorm, für andere Systeme gelten die jeweils passenden technischen Regeln. Maßgeblich sind vor allem drei Größen.

Material und Ausführung der Ebene. Stahlböden nehmen in der Regel höhere Lasten auf als Holzwerkstoffböden. Auch Blechstärke und Profilierung wirken sich unmittelbar auf die Tragfähigkeit aus. Zwei optisch ähnliche Fachböden können deutlich unterschiedliche Werte haben.

Abmessungen und Stützweite. Je größer die freie Spannweite einer Ebene ist, desto stärker biegt sie sich unter Last durch. Fachbreite und Traversenabstand gehen deshalb direkt in die Bemessung ein. Wer beim Umbau die Fachbreite vergrößert, verändert die zulässige Fachlast, auch wenn Bauteile und Regal unverändert bleiben.

Konstruktion und Verbindungen. Steck-, Schraub- und Schweißverbindungen haben jeweils eigene Tragfähigkeiten. Diese ergeben sich aus der konkreten Auslegung des Systems und lassen sich nicht pauschal aus der Verbindungsart ableiten. Verbindlich ist immer die technische Dokumentation des Herstellers zum jeweiligen System.

Bei den Fachbodenregalen zeigt sich das an den Serien. Die Serie P3X ist für den alltäglichen Traglastbedarf ausgelegt, die Serie P50 trägt höhere Lasten und ist die Standardlösung für größere, komplexere Anlagen. Die Serie P70 setzt auf einen breiteren Rahmen und entsprechend höhere Stabilität. Welche Fachbodenregal-Serie zu Ihrem Bedarf passt, ergibt sich aus Traglast, Geschosszahl, Wirtschaftlichkeit und der Erdbebenzone am Standort.

Was Überlastung im Betrieb tatsächlich anrichtet

Überlastung führt selten sofort zum sichtbaren Schaden. Sie beginnt schleichend. Böden und Träger verformen sich bleibend, Verbindungen lockern sich, das Material ermüdet. Erst später zeigt sich das Ergebnis in durchhängenden Ebenen, schief stehenden Rahmen oder Bauteilen, die sich nicht mehr sauber einhängen lassen.

Für den Betrieb hat das drei konkrete Folgen. Erstens gefährdet eine überlastete Ebene Ihre Beschäftigten und die eingelagerte Ware. Zweitens verkürzt wiederholte Überlastung die Lebensdauer der Anlage erheblich, was eine eigentlich langlebige Investition vorzeitig entwertet. Drittens kostet jeder Schaden Verfügbarkeit, denn ein betroffenes Regal oder eine betroffene Regalzeile muss aus der Nutzung genommen werden, bis der Schaden sachgerecht behoben ist. In einem gut ausgelasteten Lager fehlt diese Fläche sofort spürbar.

Betreiberpflichten: kennzeichnen, belegen, prüfen lassen

Regale sind Arbeitsmittel im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Damit liegt die Verantwortung für den sicheren Betrieb beim Betreiber, und zwar in einem klar umrissenen Rahmen.

Nach § 14 Abs. 2 BetrSichV sind Arbeitsmittel, die schädigenden Einflüssen ausgesetzt sind, wiederkehrend zu prüfen. Bei Regalen, die mit Flurförderzeugen bedient werden, ist davon in aller Regel auszugehen. Nach § 3 Abs. 6 BetrSichV legen Sie als Betreiber Art und Umfang der Prüfungen, die Prüffristen und die Qualifikation des Prüfpersonals im Rahmen Ihrer Gefährdungsbeurteilung selbst fest. Eine gesetzlich vorgeschriebene Jahresfrist gibt es nicht.

Den fachlichen Maßstab liefert die DIN EN 15635. Sie ist keine Rechtsnorm, sondern eine anerkannte Regel der Technik und beschreibt Prüfablauf, Prüfumfang und die Bewertung von Schäden. Für die Experteninspektion nennt sie einen Höchstabstand von zwölf Monaten. Dieser Wert ist Stand der Technik und in der Praxis der Regelfall, er ersetzt aber nicht Ihre eigene Festlegung. Die Anforderungen an die zur Prüfung befähigte Person ergeben sich aus der TRBS 1203.Ergänzend geben die DGUV Information 208-043 „Sicherheit von Regalen“ und die DGUV Information 208-061 „Lagereinrichtungen und Ladungsträger“ praxisnahe Hinweise zu Betrieb, Prüfung und Instandhaltung.

Für den Umgang mit der Fachlast folgen daraus vier Grundsätze im Alltag. Weisen Sie die zulässigen Lasten am Regal gut lesbar aus, sonst kann niemand sie einhalten. Verteilen Sie Lasten gleichmäßig, denn die Bemessung geht von verteilter Last aus und nicht von Punktlasten. Lagern Sie schwere Güter unten ein, das senkt den Schwerpunkt und verringert die Kippgefahr. Und behandeln Sie die Herstellerangaben als verbindliche Grundlage, nicht das geschätzte Gewicht nach Augenmaß.

Fachlast in der Praxis: drei typische Situationen

In Industrie und Fertigung entsteht das Problem meist beim Wachstum. Das Lager wurde vor Jahren für ein anderes Sortiment ausgelegt, heute stehen schwerere Teile in denselben Regalen. Die Fachlast wird zur Engpassgröße, ohne dass jemand die Anlage bewusst verändert hätte.

Im Automotive-Umfeld trifft eine hohe Artikelvielfalt auf enge Prozesszeiten. C-Teile, Ersatzteile und Kleinladungsträger werden schnell umgeschichtet, und mit jeder Umschichtung ändert sich die Belegung einer Ebene. Hier hilft eine klare Kennzeichnung mehr als jede Schulung im Nachhinein, und die Struktur des Kleinteilelagers entscheidet darüber, ob sie im Alltag trägt.

Im SHK-Groß- und -Fachhandel liegt die Schwierigkeit im heterogenen Sortiment. Langgut, Kleinteile und sperrige Sanitärobjekte konkurrieren um dieselbe Fläche, und die Gewichtsunterschiede zwischen zwei benachbarten Fächern sind erheblich. Ohne saubere Zonierung wird die Fachlast schnell unbeabsichtigt überschritten.

Worauf Sie bei der Anschaffung achten sollten

Ein Regalsystem ist ein tragendes Bauteil. Die Auswahl gehört deshalb auf eine technische Grundlage und nicht auf einen Preisvergleich. In der Planung eines Lagers steht sie erst an fünfter Stelle, nach Bestandsaufnahme, Zieldefinition und Hallenbewertung.

Achten Sie darauf, dass Fach- und Feldlast eindeutig und nachvollziehbar ausgewiesen sind, idealerweise mit Bezug auf die zugrunde liegende Bemessung. Prüfen Sie Material- und Verarbeitungsqualität, denn Profilqualität und saubere Verbindungen bestimmen, wie lange die zugesagten Werte tatsächlich tragen. Und achten Sie auf Modularität: Systeme, die sich erweitern lassen, halten mit Ihrem Sortiment Schritt. Wichtig ist dabei, dass die zulässigen Lasten nach jeder Umrüstung neu bewertet und neu gekennzeichnet werden.

Alles aus einer Hand

Rauscher F.X. plant Lagerlösungen seit 1970 von Krumbach aus und begleitet Projekte von der ersten Aufnahme vor Ort bis zur fertigen Anlage. Die Fertigung erfolgt im Netzwerk der Unternehmensgruppe Groupe Provost an sechs Produktionsstandorten. Die Montage übernehmen qualifizierte Partnerteams, die wir koordinieren und für deren Ergebnis wir geradestehen. Für Sie bleibt ein Ansprechpartner verantwortlich, von der Auslegung über die Lastangaben bis zur Übergabe. Auf Wunsch organisieren wir auch die wiederkehrende Prüfung Ihrer Anlage durch befähigte Personen und verantworten das Ergebnis.

Die Fachlast ist die Grenze einer einzelnen Ebene, die Feldlast die Grenze des gesamten Regalfeldes. Beide Werte müssen gleichzeitig eingehalten werden, und beide setzen voraus, dass sie am Regal ablesbar sind. Die Pflicht zur Prüfung ergibt sich aus der Betriebssicherheitsverordnung, den fachlichen Maßstab liefert die DIN EN 15635, und die Prüffristen legen Sie im Rahmen Ihrer Gefährdungsbeurteilung selbst fest. Wer diese drei Ebenen auseinanderhält, betreibt sein Lager sicher und nutzt es zugleich wirtschaftlich aus.

Sie sind unsicher, ob die Auslegung Ihrer Anlage noch zu Ihrem heutigen Sortiment passt? Sprechen Sie uns an. Wir schauen uns Ihr Lager gemeinsam an und ordnen die Werte ein.