Fallstudie Autohaus HEDTKE: 50 Prozent mehr Kapazität

Das Autohaus HEDTKE brauchte 50 Prozent mehr Platz für Kundenräder, hatte aber keine freie Fläche. Wir zeigen, wie die Erweiterung über den Wartungsgruben entstand und was sich davon auf andere Betriebe übertragen lässt.

Eitel Daniel​​
30. Juni 2026​ · 7

Das Autohaus HEDTKE in Weiterstadt hat seine Räderlagerkapazität von rund 1.000 auf 1.500 Räder erhöht, ohne zusätzliche Grundfläche in Anspruch zu nehmen. Umgesetzt wurde die Erweiterung im laufenden Betrieb mit Fachbodenregalen der Serie P3X auf einer Stahlkonstruktion über vorhandenen Wartungsgruben.

Im Herbst stellt eine ganze Region innerhalb weniger Wochen auf Winterräder um. Wer in dieser Zeit keine Einlagerungsplätze mehr frei hat, muss Kunden vertrösten, und zwar genau die Kunden, die durch das Räderhotel zweimal im Jahr ohnehin in den Betrieb kommen. Der Engpass liegt dabei selten in der Werkstatt. Er liegt im Lager.

Der Betrieb und sein Engpass

Das Autohaus HEDTKE ist Vertragspartner für Volvo, Jaguar Land Rover und LEVC. Auf rund 20.000 Quadratmetern Fläche und mit 25 Werkstattplätzen ist der Betrieb ein logistischer Knotenpunkt, dessen Auslastung in der Wechselsaison sprunghaft ansteigt.

Das bestehende Räderlager bot Platz für etwa 1.000 Räder. Für die saisonalen Spitzen reichte das nicht mehr aus. Das Ziel war eine Steigerung um 50 Prozent auf 1.500 Räder, und zwar am vorhandenen Standort. Ein Anbau stand nicht zur Debatte.

Diese Konstellation ist typisch für das Räderhotel: Die Kapazität des Lagers begrenzt unmittelbar, wie viele Kunden ein Betrieb überhaupt aufnehmen kann. Wächst der Fahrzeugbestand der Kundschaft, wächst der Platzbedarf mit, während die Halle gleich bleibt. Hinzu kommen die Anforderungen an Umgebungsbedingungen und Abstützung, die im Räderhotel über den Zustand der Ware entscheiden.

Zwei Randbedingungen, die die Lösung bestimmt haben

Zwei Vorgaben haben die Auslegung stärker geprägt als die reine Stellplatzzahl.

Die Umsetzung im laufenden Betrieb. Der zusätzliche Lagerraum musste entstehen, ohne den Werkstattablauf zu unterbrechen. Für einen Betrieb mit 25 Werkstattplätzen ist eine mehrwöchige Einschränkung teurer als die Investition selbst. Montageabschnitte, Anlieferung und Zugänglichkeit mussten sich deshalb dem Tagesgeschäft unterordnen, nicht umgekehrt.

Die seismische Situation am Standort. Weiterstadt liegt im Bereich des nördlichen Oberrheingrabens, einer Region mit erhöhter seismischer Aktivität. Die Regalanlage musste die Anforderungen an die Erdbebensicherheit nach Eurocode 8 (DIN EN 1998) erfüllen. Das ist kein formaler Zusatz, sondern verändert die Konstruktion: Aussteifung, Verankerung und Lastannahmen fallen anders aus als in einer Region ohne diese Anforderung.

Genau dieser Punkt wird in der Praxis regelmäßig zu spät geklärt. Die Erdbebenzone gehört in die Bewertung der Halle und damit an den Anfang der Planung, wie sie der Beitrag Lager planen in sieben Schritten beschreibt. Nachträglich lässt sie sich nicht mehr einrechnen.

Die Lösung: Fläche über der vorhandenen Infrastruktur

Der Ansatz bestand darin, Raum zu erschließen, der bereits vorhanden, aber nicht nutzbar war. Über den Wartungsgruben der Werkstatt stand Volumen, das sich für die Lagerung bis dahin nicht verwenden ließ.

Mit Stahlprofilträgern in HEA- und HEB-Ausführung wurden diese Gruben überbrückt. Auf der so entstandenen Tragebene liegt die Regalanlage auf, ohne dass die Gruben ihre Funktion verlieren. Aus einem Bereich, der zuvor ausschließlich Werkstattfläche war, wurde damit zusätzlich Lagerfläche.

Die Regalrahmen erhielten zusätzliche Aussteifungen, um die Standsicherheit unter den seismischen Lastannahmen des Standorts sicherzustellen. Von der ersten Planung bis zur Endmontage vergingen rund zwölf Wochen.

Zum Einsatz kam die Fachbodenregal-Serie P3X. Ausschlaggebend war die Anschlussfähigkeit an den Bestand: Im Betrieb war bereits das baugleiche Vorgängermodell P30 im Einsatz, sodass Erweiterung und Bestand ein einheitliches System bilden. Bei dieser Serie werden die Fachböden über Nocken eingehängt, und rückseitige Kreuzverbände sorgen für die Stabilität. Die Nocken bergen ein Beschädigungsrisiko für Reifen und Felgen, das im Einzelfall zu bewerten ist. Diese Bewertung gehört in jedes Räderlagerprojekt mit dieser Serie. Wo sie anders ausfällt, ist die Serie P50 mit ihrem glatten Profil ohne Nocken die Alternative.

Sicherheit und Betreiberpflichten im Räderlager

Regale sind Arbeitsmittel im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Nach § 3 Abs. 6 BetrSichV legt der Betreiber Art, Umfang, Prüffristen und die Qualifikation des Prüfpersonals im Rahmen seiner Gefährdungsbeurteilung selbst fest. Den fachlichen Maßstab liefert die DIN EN 15635 als anerkannte Regel der Technik, die für die Experteninspektion einen Höchstabstand von zwölf Monaten nennt.

Im Räderlager kommt eine Besonderheit hinzu. Das Wechselgeschäft läuft unter Zeitdruck und mit hoher Frequenz, weshalb Anfahrschäden an Rahmen und Traversen dort schneller entstehen als in ruhigeren Lagerbereichen. Ein verformter Ständer verliert einen erheblichen Teil seiner Tragfähigkeit, und zwar für das gesamte Regalfeld.

Praktisch bedeutet das zweierlei: Die zulässigen Lasten gehören gut lesbar an das Regal, und Anfahrschäden werden gemeldet statt optisch bewertet. Auf Wunsch organisieren wir die wiederkehrende Prüfung durch befähigte Personen und verantworten das Ergebnis.

Das Ergebnis

Das erweiterte Räderlager fasst 1.500 Räder. Die saisonale Kapazität stieg damit um 50 Prozent, der Werkstattbetrieb wurde entlastet und die Reaktionsfähigkeit gegenüber der Kundschaft verbessert. All das ohne zusätzliche Grundfläche und ohne Neubau.

Der Weg dorthin führte über die Abstimmung. Anforderungen wurden gemeinsam definiert, technische Lösungen Schritt für Schritt geklärt. Bei einem Projekt, das in zwölf Wochen und im laufenden Betrieb umgesetzt wird, entscheidet die Qualität dieser Absprachen stärker über den Terminplan als die Montagegeschwindigkeit.

„Logistik ist unsere Antwort auf die Anforderungen von heute und morgen“, sagt Frédéric Meyer, Geschäftsführer von Rauscher F.X. „Wir haben gezeigt, dass auch unter Zeitdruck tragfähige Lösungen entstehen.“

Ein Nebeneffekt betrifft die Nachhaltigkeit, und er liegt nicht im Material. Die Anlage nutzt bereits versiegelte Fläche, statt eine Erweiterung zu erfordern. Dazu kommt, dass modulare Regalsysteme erweiterbar und rückbaubar bleiben und sich bei veränderten Anforderungen anpassen oder an anderer Stelle wieder aufbauen lassen. Wichtig ist dabei, dass die zulässigen Lasten nach jeder Veränderung neu bewertet und die Hinweise am Regal aktualisiert werden.

Was sich auf andere Betriebe übertragen lässt

Vier Entscheidungen aus diesem Projekt gelten unabhängig von der Betriebsgröße.

Erst den Raum prüfen, dann die Fläche. Vor der Frage nach zusätzlicher Grundfläche steht die Frage, welches vorhandene Volumen sich erschließen lässt. Über Wartungsgruben, Durchfahrten und Nebenbereichen steckt häufig mehr Potenzial, als der erste Eindruck vermuten lässt.

Den Standort früh einrechnen. Erdbebenzone und Bodentragfähigkeit gehören in die erste Bewertung. Beide verändern die Konstruktion und lassen sich nachträglich nicht korrigieren.

Die Serie an den Bestand anschließen. Wer erweitert, gewinnt mit einem einheitlichen System. Die Serienwahl folgt deshalb nicht nur der Traglast und der Geschosszahl, sondern auch dem, was bereits steht.

Den laufenden Betrieb zur Planungsgröße machen. Eine abschnittsweise Umsetzung kostet in der Planung Aufwand und spart im Betrieb ein Vielfaches davon.

Alles aus einer Hand

Rauscher F.X. plant Reifen- und Räderregale sowie Fachbodenregale seit über 50 Jahren von Krumbach aus, ausgelegt auf Ihre Mengen, Ihre Raddurchmesser und die Gegebenheiten Ihrer Halle einschließlich der Erdbebenzone. Die Fertigung erfolgt im Netzwerk der Unternehmensgruppe Groupe Provost an sechs Produktionsstandorten. Die Montage übernehmen qualifizierte Partnerteams, die wir koordinieren und für deren Ergebnis wir geradestehen. Auf Wunsch setzen wir abschnittsweise um, damit Ihr Wechselgeschäft weiterläuft. Ein Ansprechpartner begleitet Sie von der Aufnahme vor Ort bis zur Übergabe.

Das Projekt beim Autohaus HEDTKE zeigt, dass zusätzliche Lagerkapazität nicht zwingend zusätzliche Grundfläche voraussetzt. Über den Wartungsgruben entstand auf einer Stahlkonstruktion Raum für 500 weitere Räder, erdbebensicher ausgelegt und in zwölf Wochen im laufenden Betrieb umgesetzt. Entscheidend waren dabei die frühen Klärungen: die Bewertung des vorhandenen Raums, die seismischen Anforderungen am Standort und der Anschluss an das bestehende Regalsystem. Wer diese drei Punkte an den Anfang stellt, kommt zu einer Lösung, die den Betrieb entlastet statt ihn zu unterbrechen.

Sie kommen in der Wechselsaison an Ihre Kapazitätsgrenze? Sprechen Sie uns an. Wir sehen uns Ihre Fläche an und zeigen Ihnen, welche Reserven darin stecken.