Fallstudie Zalando Lounge: zwei Logistikzentren in Polen
Zwei Logistikzentren, fünfgeschossige Mehrgeschossanlagen und über 800.000 Fachböden: die Lagertechnik hinter Zalando Lounge in Polen.
9. Juni 2026 · 7

Für den Shopping-Club Zalando Lounge entstanden an den polnischen Standorten Bydgoszcz und Białe Błota zwei Logistikzentren mit einer Gesamtfläche von über 240.000 Quadratmetern. Rauscher F.X. lieferte die Lagertechnik, darunter zwei fünfgeschossige Mehrgeschossanlagen und ein Schmalganglager mit mehr als 21.000 Stellplätzen.
Projekte dieser Größenordnung sind für die meisten Betriebe kein Maßstab. Interessant sind sie trotzdem, weil sich in ihnen zeigt, wie sich Prinzipien verhalten, die im kleineren Rahmen genauso gelten: Höhe konsequent nutzen, Kommissionierwege kurz halten, Struktur vor Technik. Was in Polen auf 240.000 Quadratmetern funktioniert, folgt derselben Logik wie ein Ersatzteillager auf 400 Quadratmetern.
Die Ausgangslage
Zalando beliefert mehr als 48 Millionen Kunden in 23 Ländern. Der Shopping-Club Zalando Lounge arbeitet dabei mit einem Sortiment, das sich schnell dreht und in kurzen Zyklen wechselt. Für die Logistik bedeutet das eine hohe Zahl an Artikelpositionen bei gleichzeitig hoher Auftragsfrequenz.
Aus dieser Konstellation ergaben sich zwei Anforderungen. Erstens musste eine sehr große Zahl an Kommissionierplätzen entstehen, ohne dass die Wege je Auftrag ins Unwirtschaftliche wachsen. Zweitens musste die Anlage von Anfang an auf Erweiterung ausgelegt sein, weil sich das Mengengerüst im Onlinehandel schneller verändert als in klassischen Handelsstrukturen.
Die Lösung: konsequent in die Höhe
Den Kern beider Standorte bilden zwei fünfgeschossige Mehrgeschossanlagen, im Fachjargon Picktower genannt. Sie ermöglichen eine strukturierte Kommissionierung auf mehreren Ebenen und nutzen die vorhandene Hallenhöhe aus, statt die Grundfläche weiter auszudehnen. Insgesamt wurden über 500.000 Fachböden auf Basis der Fachbodenregal-Serie P70 verbaut, ergänzt um 300.000 weitere Fachböden der Serie P3X.
Die Wahl der Serie P70 ergab sich aus der Geschosszahl. Sie verfügt über einen breiteren Rahmen als die Serie P50 und entsprechend höhere Stabilität, wird ab drei Geschossen empfohlen und spielt ihre Vorteile bei vier bis fünf Geschossen aus. Dass sie ein reines Großprojekt-Produkt ist, für das das Rohmaterial nicht vorrätig gehalten wird und dessen Fertigung einen aufwändigen Maschinenumbau erfordert, war in einem Projekt mit diesem Planungshorizont kein Hindernis. Bei kleineren Vorhaben mit kurzem Zeitplan ist genau das der Punkt, an dem die Serie P50 die bessere Wahl ist.
Ergänzt wurden die Mehrgeschossanlagen um ein Schmalganglager mit 13 Meter hohen Palettenregalen und mehr als 21.000 Stellplätzen. Damit stehen Kommissionierung und Reservehaltung in einer klaren Aufgabenteilung nebeneinander: die Mehrgeschossanlagen für den Zugriff auf die Artikelvielfalt, das Schmalganglager für die Bevorratung in der Fläche und Höhe.
Die Details, die den Betrieb tragen
Zur Ausstattung gehörten Bereiche, die in der Projektkommunikation selten vorkommen und im Betrieb den Unterschied machen.
Ein fünf Meter hohes Zaunsystem schützt sensible Bereiche vor unbefugtem Zugriff. In einem Lager mit hochwertiger Markenware ist das keine Nebensache, sondern Teil des Betriebskonzepts.
Drei Millionen Etiketten und eine durchgängige Beschilderung machen die Anlage adressierbar. Jeder Lagerplatz braucht eine eindeutige Kennung, damit die Kommissionierung überhaupt gesteuert werden kann. Das ist derselbe Grundsatz, der in einem Werkstattlager mit dreihundert Fächern gilt, nur in anderem Maßstab. Ohne physisch eindeutige Adressen läuft keine Software.
Bei sehr großen Anlagen kippt ein Prinzip, das im kleinen Lager noch verzeihlich ist: Improvisation skaliert nicht. Solange ein Team dreihundert Artikel überblickt, gleicht Erfahrung manches aus, was in der Struktur fehlt. Bei mehreren hunderttausend Fachböden funktioniert das nicht mehr. Jeder Griff muss über die Adressierung geführt werden, und jede Abweichung im Lagerplatzsystem vervielfacht sich sofort.
Deshalb entstehen Struktur und Kennzeichnung in solchen Projekten nicht am Ende, sondern parallel zur Konstruktion. Ebenenraster, Gangnummerierung und Etikettierung folgen einer Systematik, die vor dem ersten Aufbau feststeht. Der Aufwand dafür fällt einmal an und wirkt danach bei jedem einzelnen Auftrag.
Zeit als Projektfaktor
Beide Logistikzentren wurden in 18 Monaten fertiggestellt. Bei einer Anlage dieser Größe ist das weniger eine Frage der Montagegeschwindigkeit als eine der Vorplanung: Fertigungskapazitäten, Materialbereitstellung, Anlieferungslogistik und die Abstimmung der Gewerke müssen ineinandergreifen, bevor die erste Stütze steht.
„Die zunehmende Nachfrage im Onlinehandel erfordert große und gut durchdachte Lager“, sagt Frédéric Meyer, Geschäftsführer von Rauscher F.X. „Wir sehen diese Entwicklung nicht als Herausforderung, sondern als Chance, Unternehmen bei ihrem Wachstum im E-Commerce zu unterstützen.“
Zalando selbst plant nach eigenen Angaben Investitionen von einer Milliarde Euro in sieben weitere Logistikzentren.
Modular gebaut, erweiterbar gedacht
Ein Punkt zieht sich durch beide Standorte: Die Anlagen sind aus modularen Bauteilen aufgebaut. Fachböden lassen sich versetzen, Ebenen ergänzen, Bereiche umnutzen. In einem Sortiment, das sich in kurzen Zyklen verändert, ist das keine Komfortfunktion, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Anlage nicht nach zwei Jahren am Bedarf vorbeiarbeitet.
Für die Nachhaltigkeitsbetrachtung hat dieselbe Bauweise einen zweiten Effekt. Eine Stahlkonstruktion aus Standardbauteilen bleibt rückbaubar und lässt sich bei einer Umnutzung weiterverwenden. Was wirklich zählt, ist dabei weniger das Material selbst als die Fläche, die nicht zusätzlich versiegelt wird: Fünf Ebenen übereinander ersetzen eine Halle, die sonst neben der bestehenden hätte entstehen müssen.
Wichtig ist bei jeder späteren Veränderung, dass die zulässigen Lasten neu bewertet und die Belastungshinweise vor Ort aktualisiert werden. Betroffen ist dabei nicht nur die einzelne Ebene, sondern auch die Feldlast des gesamten Regalfeldes. Ein Regal, das umgebaut wurde und noch die alten Werte trägt, ist im Betrieb gefährlicher als eines ohne Schild, weil sich die Belegschaft auf die Angabe verlässt.
Was sich auf kleinere Projekte übertragen lässt
Der interessanteste Teil einer solchen Fallstudie sind nicht die Zahlen, sondern die Entscheidungen dahinter. Vier davon gelten unabhängig von der Größenordnung.
Höhe vor Fläche. Die Entscheidung für fünfgeschossige Mehrgeschossanlagen statt zusätzlicher Grundfläche ist dieselbe, die ein mittelständischer Betrieb trifft, wenn er über den Regalen mehrere Meter ungenutztes Volumen hat. Der Maßstab unterscheidet sich, die Rechnung nicht.
Aufgaben trennen. Kommissionierung und Reservehaltung sind unterschiedliche Aufgaben und verlangen unterschiedliche Systeme. Wer beides in derselben Zone abwickelt, bezahlt das mit längeren Wegen und unübersichtlichen Beständen.
Die Serie passt zur Geschosszahl. Ob P3X, P50 oder P70: Die Auswahl folgt der geplanten Geschosszahl, der tatsächlichen Traglast, dem Standort und dem Zeithorizont. In Polen führte das zur Serie P70, in einem dreigeschossigen Kleinteilelager führt dieselbe Systematik zu einer anderen Antwort.
Adressierbarkeit von Anfang an. Kennzeichnung ist kein Zubehör, das man später ergänzt. Sie entscheidet darüber, ob sich das Lager steuern lässt.
Hinzu kommt eine Erfahrung, die sich nicht in Zahlen ausdrücken lässt: Projekte dieser Art gelingen über die Abstimmung. Wenn Fertigung, Anlieferung, Montage und die Arbeiten der übrigen Gewerke auf derselben Baustelle zusammenkommen, entscheidet die Qualität der Absprachen über den Terminplan. Das gilt für zwei Logistikzentren in Polen ebenso wie für eine Regalerweiterung im laufenden Betrieb. Auch dort beginnt die Planung bei der Bestandsaufnahme und nicht beim Regal.
Alles aus einer Hand
Rauscher F.X. plant Lagerlösungen seit 1970 von Krumbach aus und begleitet Projekte von der ersten Aufnahme bis zur Übergabe. Die Fertigung erfolgt im Netzwerk der Unternehmensgruppe Groupe Provost an sechs Produktionsstandorten, was auch Projekte mit sehr großen Stückzahlen planbar macht. Die Montage übernehmen qualifizierte Partnerteams, die wir koordinieren und für deren Ergebnis wir geradestehen. Für Sie bleibt ein Ansprechpartner verantwortlich, unabhängig davon, ob Ihr Projekt drei Regalzeilen oder mehrere Hallen umfasst.
Die beiden Logistikzentren für Zalando Lounge zeigen, wie sich eine sehr große Artikelvielfalt in einer begrenzten Grundfläche organisieren lässt: über fünfgeschossige Mehrgeschossanlagen auf Basis der Fachbodenregal-Serie P70, ergänzt um ein Schmalganglager für die Bevorratung und eine durchgängige Kennzeichnung, die den Betrieb steuerbar macht. Die Größenordnung ist außergewöhnlich, die zugrunde liegenden Entscheidungen sind es nicht. Höhe nutzen, Aufgaben trennen, die Serie zur Geschosszahl wählen und von Anfang an adressierbar bauen: Diese vier Grundsätze gelten auch dann, wenn Ihr Projekt zwei Nummern kleiner ausfällt.
Sie planen eine Erweiterung und fragen sich, was auf Ihrer Fläche möglich ist? Sprechen Sie uns an. Wir sehen uns Ihre Halle an und entwickeln einen Vorschlag, der zu Ihrem Sortiment passt.





