Lager planen in 7 Schritten
Die meisten Lager sind nicht geplant, sondern gewachsen. Wir zeigen die sieben Schritte einer belastbaren Lagerplanung, von der Bestandsaufnahme über die Wahl des Lagerprinzips bis zur Umsetzung im laufenden Betrieb.
23. Juni 2026 · 7

Die Planung einer Lagereinrichtung folgt einer festen Reihenfolge: Bestandsaufnahme, Zieldefinition, Flächenbewertung, Wahl des Lagerprinzips, Auslegung der Regaltechnik, Klärung von Sicherheit und Betreiberpflichten, Umsetzung. Wer diese Reihenfolge einhält, vermeidet die teuersten Fehler.
Die meisten Lager sind nicht geplant, sondern gewachsen. Ein Regal kam zum anderen, ein Sortiment zum nächsten, und irgendwann stimmt nichts mehr zusammen: Die Wege sind lang, die Bestände unklar, und die Fläche ist voll, obwohl über den Regalen mehrere Meter Luft stehen. Der Auslöser für eine Neuplanung ist deshalb selten der Wunsch nach Perfektion. Es ist ein Neubau, ein Umzug, ein Kapazitätsengpass oder eine anstehende Regalprüfung.
Die folgenden sieben Schritte beschreiben, wie eine Planung aussieht, die diesen Zustand dauerhaft auflöst.
Schritt 1: Den Bestand ehrlich aufnehmen
Am Anfang steht nicht die Fläche, sondern die Ware. Erfassen Sie, welche Artikel Sie tatsächlich vorhalten, in welchen Mengen, mit welchen Abmessungen und welchem Gewicht. Ergänzen Sie die Zugriffshäufigkeit je Artikel oder zumindest je Artikelgruppe.
Dieser Schritt fällt regelmäßig zu knapp aus, weil er unspektakulär ist. Er ist trotzdem der wichtigste. Fast jede Fehlplanung lässt sich auf eine unvollständige Bestandsaufnahme zurückführen: auf das Sortiment, das niemand mehr auf dem Schirm hatte, oder auf das eine schwere Teil, das die gesamte Auslegung verändert. Nicht der Durchschnitt zählt, sondern die Extreme.
Schritt 2: Ziele und Wachstum festlegen
Ein Lager wird nicht für heute gebaut. Legen Sie fest, für welchen Zeitraum die Lösung tragen soll und mit welchem Wachstum Sie rechnen. Fünf Jahre sind ein realistischer Horizont, zehn Jahre bei Neubauten.
Klären Sie parallel, welches Ziel im Vordergrund steht. Mehr Kapazität auf gleicher Fläche, kürzere Kommissionierzeiten, bessere Bestandstransparenz oder die Vorbereitung auf ein Lagerverwaltungssystem führen zu unterschiedlichen Konzepten. Wenn alle vier Ziele gleichzeitig gelten sollen, entsteht ein Kompromiss, den niemand bewusst gewählt hat.
Planen Sie außerdem Reserve ein. Ein Lager, das am Tag der Inbetriebnahme vollständig belegt ist, ist zum nächsten Saisonhoch bereits zu klein.
Schritt 3: Die Halle bewerten
Jetzt kommt die Fläche ins Spiel, und zwar dreidimensional. Relevant sind die nutzbare Höhe unter Bindern und Installationen, die Bodentragfähigkeit, das Stützenraster, die Lage von Toren und Übergabestellen sowie vorhandene Krananlagen.
Die Höhe ist dabei die am häufigsten übersehene Reserve. In vielen Hallen steht über den Regalen mehr ungenutztes Volumen, als auf dem Boden noch frei ist. Ob sich dieses Volumen über höhere Regale, eine Lagerbühne oder eine Mehrgeschossanlage erschließen lässt, entscheidet sich an der Bodentragfähigkeit und am Stützenraster.
Ebenfalls in diesem Schritt zu klären: die Erdbebenzone am Standort. Sie geht unmittelbar in die statische Auslegung ein und lässt sich nachträglich nicht mehr korrigieren. Beim Autohaus HEDTKE im nördlichen Oberrheingraben waren dafür zusätzliche Aussteifungen der Regalrahmen erforderlich.
Schritt 4: Das Lagerprinzip wählen
Erst jetzt fällt die Entscheidung über das System. Sie ergibt sich aus den ersten drei Schritten, nicht aus dem Katalog.
Für Kleinteile und leichte bis mittelschwere Güter mit manuellem Zugriff sind Fachbodenregale die Grundlage. Palettierte Ware gehört in Palettenregale, Langgut auf Kragarmregale. Reifen und Kompletträder werden über Reifen- und Räderregale gelagert, für die eigene Anforderungen an Klima und Abstützung gelten. Wo Fläche knapp und Höhe vorhanden ist, kommen Lagerbühnen oder eine Mehrgeschossanlage hinzu. Wo eine strenge Reihenfolge nach dem FIFO-Prinzip gefordert ist, sind dynamische Systeme wie Durchlaufregale die passende Antwort.
In der Praxis entsteht selten ein reines System, sondern eine Kombination mit klarer Zonierung. Wichtig ist, dass jede Zone eine definierte Aufgabe hat und die Übergänge zwischen ihnen bewusst gestaltet sind.
Ordnen Sie in diesem Schritt auch das Sortiment nach Umschlaghäufigkeit. Schnelldreher gehören in Greifhöhe und nah an den Warenausgang, Langsamdreher dürfen weiter oben und weiter hinten stehen. Diese Zonierung spart im Tagesgeschäft mehr Zeit als jede spätere Optimierung der Wege, und sie kostet in der Planungsphase nichts außer Aufmerksamkeit.
Schritt 5: Die Regaltechnik auslegen
In diesem Schritt werden aus dem Konzept konkrete Bauteile. Traglasten, Ebenenabstände, Feldweiten, Gangbreiten und Serien werden festgelegt.
Bei Fachbodenregalen entscheidet vor allem die Geschosszahl über die Serie. Die Serie P3X deckt kompakte Konzepte bis einschließlich drei Geschosse ab, die Serie P50 ist die Standardlösung mit einem Regelbereich von drei bis vier Geschossen, die Serie P70 wird ab drei Geschossen empfohlen und spielt ihre Vorteile bei vier bis fünf Geschossen aus. Über den gesamten Bereich gilt ein Prüfvorbehalt: Wirtschaftlichkeit, Traglastbedarf und Erdbebenzone werden im Einzelfall bewertet.
Ein Punkt gehört an dieser Stelle auf die Agenda, nicht später: die Verfügbarkeit. Die Serie P70 ist ein reines Großprojekt-Produkt, das Rohmaterial ist nicht vorrätig und die Fertigung erfordert einen aufwändigen Maschinenumbau. Wenn Ihr Zeitplan eng ist, verändert das die Auswahl.
Schritt 6: Sicherheit und Betreiberpflichten klären
Regale sind Arbeitsmittel im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Nach § 14 Abs. 2 BetrSichV sind Arbeitsmittel, die schädigenden Einflüssen ausgesetzt sind, wiederkehrend zu prüfen. Bei Regalen, die mit Flurförderzeugen bedient werden, ist davon in aller Regel auszugehen. Art, Umfang, Prüffristen und die Qualifikation des Prüfpersonals legen Sie als Betreiber nach § 3 Abs. 6 BetrSichV im Rahmen Ihrer Gefährdungsbeurteilung fest.
Den fachlichen Maßstab liefert die DIN EN 15635 als anerkannte Regel der Technik. Für die Experteninspektion nennt sie einen Höchstabstand von zwölf Monaten, der in der Praxis der Regelfall ist. Die Anforderungen an die zur Prüfung befähigte Person ergeben sich aus der TRBS 1203, ergänzende Hinweise geben die DGUV Information 208-043 und die DGUV Information 208-061.
Praktisch bedeutet das für die Planung: Belastungshinweise gehören an jedes Regal, Anfahrschutz an gefährdete Stellen, und die Prüfung wird von Anfang an eingeplant statt nachträglich organisiert. Auszuweisen sind dabei zwei Werte, die Fachlast je Ebene und die Feldlast je Regalfeld. Auch die Ergonomie gehört hierher. Greifhöhen zwischen Hüfte und Schulter und Gangbreiten, die zum eingesetzten Transportmittel passen, wirken sich bei täglich mehreren hundert Griffen unmittelbar auf Ausfallzeiten aus.
Halten Sie die Auslegung außerdem schriftlich fest, einschließlich der zugrunde gelegten Lasten und Annahmen. Diese Dokumentation ist später die Grundlage für jede Erweiterung und für die Bewertung im Rahmen der wiederkehrenden Prüfung. Wer sie erst im Schadensfall sucht, findet sie erfahrungsgemäß nicht.
Schritt 7: Umsetzung planen
Der letzte Schritt entscheidet darüber, was die Umstellung tatsächlich kostet. Zentrale Frage: Läuft der Betrieb weiter? In den meisten Fällen lautet die Antwort ja, und dann wird abschnittsweise umgesetzt, mit definierten Zwischenzuständen und einer Reihenfolge, die Ihre Kernprozesse schützt.
Klären Sie außerdem, was mit der vorhandenen Einrichtung geschieht. Bestehende Anlagen lassen sich häufig weiterverwenden, versetzen oder ergänzen. Voraussetzung ist, dass Zustand und Tragfähigkeit vorher bewertet werden und die zulässigen Lasten nach dem Umbau neu ausgewiesen sind.
Planen Sie außerdem die Übergabe. Dokumentation, Belastungshinweise, Einweisung des Teams und die Festlegung der ersten Prüftermine gehören dazu. Ein Lager gilt nicht als fertig, wenn das letzte Regal steht, sondern wenn Ihr Team damit sicher arbeitet.
Alles aus einer Hand
Rauscher F.X. begleitet diese sieben Schritte seit 1970 von Krumbach aus. Wir nehmen Bestand, Halle und Prozesse auf, entwickeln das Konzept und legen die Anlage aus. Die Fertigung erfolgt im Netzwerk der Unternehmensgruppe Groupe Provost an sechs Produktionsstandorten. Die Montage übernehmen qualifizierte Partnerteams, die wir koordinieren und für deren Ergebnis wir geradestehen. Auf Wunsch organisieren wir anschließend die wiederkehrende Prüfung durch befähigte Personen und verantworten das Ergebnis. Ein Ansprechpartner bleibt für Sie verantwortlich, von der ersten Aufnahme bis zur Übergabe.
Eine belastbare Lagerplanung beginnt beim Bestand und nicht beim Regal. Aus Sortiment, Zielen und Halle ergibt sich das Lagerprinzip, daraus die konkrete Auslegung, und erst am Ende steht die Umsetzung. Sicherheit und Betreiberpflichten gehören dabei in die Planung und nicht in die Nachbetrachtung. Wer diese Reihenfolge einhält, bekommt ein Lager, das nicht nur am Eröffnungstag passt, sondern auch in fünf Jahren.
Sie stehen vor einem Neubau, einem Umzug oder einem Kapazitätsengpass? Sprechen Sie uns an. Wir starten gemeinsam bei Schritt eins.





