Reifen und Räder richtig lagern: Anforderungen und Praxisregeln

Kühl, trocken, dunkel und gleichmäßig abgestützt: Wir zeigen, worauf es bei der saisonalen Einlagerung von Reifen und Kompletträdern ankommt. Von den Umgebungsbedingungen bis zur Wahl des passenden Räderregals.

Eitel Daniel​​
28. Juli 2026​ · 7

Die saisonale Einlagerung von Reifen und Kompletträdern erfolgt im gewerblichen Umfeld über Reifen- und Räderregale. Sie halten die Ware auf horizontalen Traversen, stützen sie gleichmäßig ab und verhindern so Verformungen bei längerer Lagerung.

Für Autohäuser, Werkstätten und Reifenzentren ist das Räderhotel längst ein eigenes Geschäft. Es bindet Kunden, glättet die Auslastung und bringt planbaren Umsatz. Gleichzeitig entscheidet es sich in wenigen Wochen pro Jahr, ob dieses Geschäft funktioniert. In der Hochsaison zählt jeder Handgriff, und jede Reklamation wegen beschädigter oder verwechselter Ware kostet mehr als die Einlagerungsgebühr einbringt. Eine durchdachte Lagerlösung ist deshalb kein Nebenschauplatz, sondern Teil Ihrer Servicequalität.

Warum die Lagerbedingungen über den Zustand der Ware entscheiden

Reifen bestehen überwiegend aus Gummimischungen, die auf Umwelteinflüsse empfindlich reagieren. Wärme, UV-Licht, Feuchtigkeit und vor allem Ozon greifen das Material an und lassen es mit der Zeit spröde und rissig werden. Ein kühler, trockener, dunkler und gut belüfteter Lagerraum verlangsamt diesen Prozess deutlich. Als Orientierung haben sich Temperaturen unter etwa 25 Grad Celsius und eine relative Luftfeuchte unter rund 70 Prozent etabliert.

Ozonquellen gehören konsequent aus dem Lagerbereich heraus. Dazu zählen Elektromotoren, Schweißgeräte, Transformatoren und bestimmte Leuchtmittel. Ebenso wenig gehören Kraftstoffe, Öle, Fette und Lösungsmittel in die Nähe der eingelagerten Ware, da sie das Gummi direkt angreifen. In vielen Betrieben ist genau das der Knackpunkt, weil das Räderlager historisch dort entstanden ist, wo gerade Platz war, häufig in unmittelbarer Nachbarschaft zur Werkstatt.

Eine sachgerechte Lagerung verbessert die Eigenschaften eines Reifens nicht. Sie bewahrt den vorhandenen Zustand bis zur Wiederverwendung. Genau darum geht es im Räderhotel: Die Ware soll nach der Saison in demselben Zustand zurückgehen, in dem sie eingelagert wurde.

Was ein Reifen- & Räderregal leisten muss

Das zweite Thema neben den Umgebungsbedingungen ist die mechanische Abstützung. Liegen Reifen über Monate ohne geeignete Auflage, entstehen bleibende Verformungen, die Rundlauf und Fahrverhalten beeinträchtigen. Räderregale lösen das über horizontale Traversen, die eine definierte und gleichmäßige Auflage schaffen und den Druck über die Kontaktfläche verteilen. Die Lagerung ist dabei stehend vorgesehen, für Reifen ohne Felge ebenso wie für Kompletträder.

Vier Anforderungen sind dabei entscheidend.

Tragfähigkeit und Stabilität. In der Hochsaison summieren sich eingelagerte Kompletträder schnell zu mehreren Tonnen Gesamtlast. Die zulässige Fachlast je Ebene und die zulässige Feldlast je Regalfeld müssen zur tatsächlichen Belegung passen, nicht zur ursprünglich geplanten.

Ergonomie im Handling. Ein Rad wiegt je nach Fahrzeugklasse deutlich über 20 Kilogramm. Greifhöhen, Gangbreiten und Anfahrwege entscheiden darüber, wie schnell und wie rückenschonend Ihr Team im Wechselgeschäft arbeitet.

Modularität. Das Reifengeschäft ist saisonal und verändert sich mit dem Fahrzeugbestand Ihrer Kunden. Räderregale sind modular aufgebaut, in Höhe und Breite erweiterbar und über werkzeuglos verstellbare Traversen an unterschiedliche Raddurchmesser anpassbar.

Raumausnutzung. Bei hohen Flächenkosten zählt jeder genutzte Kubikmeter. In der Praxis setzen unsere Kunden die Räderlagerung in der Regel mit zwei Geschossen um. Reicht das nicht aus und wird mehrstöckig geplant, kommt meist die Fachbodenregal-Serie P50 als tragende Struktur zum Einsatz, wie sie auch die Mehrgeschossanlage trägt. Räderregale und Fachbodenregale bleiben dabei zwei eigenständige Produkte: Die Serie P50 bildet das Tragwerk, die Reifenlagerung selbst erfolgt weiterhin über die Räderregale.

Ein technischer Hinweis zur Serienwahl: Bei der Fachbodenregal-Serie P3X werden die Fachböden über Nocken eingehängt. Diese Nocken bergen ein Beschädigungsrisiko für Reifen und Felgen und sind im Einzelfall zu bewerten. Das glatte Profil der Serie P50 kommt ohne Nocken aus und schützt die eingelagerte Ware entsprechend besser. Die Serie P70 ist für die Nutzung als Räderregal nicht vorgesehen.

Praxisregeln für den laufenden Betrieb

Aus der Erfahrung mit Räderhotels lassen sich einige Regeln ableiten, die im Alltag den Unterschied machen.

Halten Sie die Klimabedingungen im Blick und prüfen Sie Temperatur und Luftfeuchte regelmäßig, statt sich auf das Gefühl beim Betreten des Raums zu verlassen. Vermeiden Sie direkte Sonneneinstrahlung, auch über Oberlichter und Hallentore. In unseren Räderregalen erfolgt die Lagerung stehend, sowohl für Reifen ohne Felge als auch für Kompletträder. Verzichten Sie auf das Stapeln, denn gestapelte Reifen belasten die unteren Lagen einseitig. Behalten Sie das Herstellungsdatum im Blick, das über die DOT-Kennzeichnung ablesbar ist, und organisieren Sie Ein- und Auslagerung nach dem FIFO-Prinzip, damit ältere Ware zuerst wieder ausgegeben wird.

Ebenso wichtig ist die Zuordnung. Ein Räderhotel lebt davon, dass jeder Satz eindeutig identifizierbar ist und im Frühjahr ohne Suchzeit wiedergefunden wird. Eine klare Kennzeichnung der Stellplätze und eine feste Systematik in der Belegung sparen in der Hochsaison mehr Zeit als jede zusätzliche Arbeitskraft. Bewährt hat sich, den Stellplatz fest mit dem Kundenauftrag zu verknüpfen und nicht mit dem Fahrzeug, weil sich Fahrzeuge innerhalb der Einlagerungszeit häufiger ändern als Kundendaten.

Denken Sie außerdem an die Belastungshinweise. Die zulässige Fach- und Feldlast muss am Regal gut lesbar ausgewiesen sein, sonst kann Ihr Team sie im Tagesgeschäft nicht einhalten. Gerade im Räderlager wird dieser Punkt leicht übersehen, weil einzelne Räder harmlos wirken und sich die Gesamtlast erst über die Saison aufbaut.

Und behalten Sie die Betreiberpflichten im Blick. Regale sind Arbeitsmittel im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Nach § 3 Abs. 6 BetrSichV legen Sie Art, Umfang und Fristen der wiederkehrenden Prüfung im Rahmen Ihrer Gefährdungsbeurteilung selbst fest. Den fachlichen Maßstab dafür liefert die DIN EN 15635 als anerkannte Regel der Technik. Anfahrschäden an Rahmen und Traversen entstehen im Wechselgeschäft schneller als anderswo, weil unter Zeitdruck gearbeitet wird.

Wer davon profitiert

Für Autohäuser und Werkstätten ist das Räderhotel ein Kundenbindungsinstrument. Wer die Räder des Kunden hat, sieht ihn zweimal im Jahr, und jeder dieser Termine ist eine Gelegenheit für Service und Beratung. Die Lagerkapazität begrenzt dabei unmittelbar, wie viele Kunden Sie überhaupt aufnehmen können.

Reifenzentren und Großhändler stehen vor der zusätzlichen Aufgabe, Bestandsware und Kundenware sauber zu trennen und dabei hohe Umschlagszahlen zu bewältigen. Hier zahlt eine konsequente Zonierung des Lagers am stärksten ein, im Räderlager ebenso wie im Teile- und Zubehörlager daneben.

Bei Fahrzeug- und Reifenherstellern sowie Flottenbetreibern kommt der Maßstab hinzu. Die Grundprinzipien bleiben gleich, die Anforderungen an Tragfähigkeit, Zugriffszeiten und Dokumentation steigen jedoch deutlich.

Wenn der Platz nicht mehr reicht

Der häufigste Auslöser für ein Gespräch mit uns ist nicht ein Schaden, sondern schlichte Kapazität. Das Lager ist voll, die Warteliste wächst, und ein Neubau steht nicht zur Debatte. In diesen Fällen liegt die Lösung meist in der Höhe: in einer besseren Ausnutzung des vorhandenen Raums, in angepassten Traversenabständen für die tatsächlich eingelagerten Raddurchmesser und in einer Konstruktion, die sich an die örtlichen Gegebenheiten anpasst statt umgekehrt.

Hilfreich ist es, vor dem Gespräch zwei Zahlen zu kennen: wie viele Radsätze Sie heute tatsächlich einlagern und welche Raddurchmesser dabei überwiegen. Aus beidem ergibt sich, ob zusätzliche Kapazität über engere Traversenabstände, über zusätzliche Regalzeilen oder erst über die zweite Ebene entsteht. Häufig liegt bereits im vorhandenen Raum mehr Potenzial, als der erste Eindruck vermuten lässt. Beim Autohaus HEDTKE entstand die zusätzliche Kapazität über den Wartungsgruben der Werkstatt.

Zu berücksichtigen ist dabei auch die Erdbebenzone am Standort. Sie beeinflusst die Auslegung mehrgeschossiger Anlagen unmittelbar und wird in der Planung mitgerechnet, nicht nachträglich geprüft.

Alles aus einer Hand

Rauscher F.X. plant Räderregale seit über 50 Jahren von Krumbach aus, ausgelegt auf Ihre Raddurchmesser, Ihre Mengen und Ihre Halle. Die Fertigung erfolgt im Netzwerk der Unternehmensgruppe Groupe Provost an sechs Produktionsstandorten. Die Montage übernehmen qualifizierte Partnerteams, die wir koordinieren und für deren Ergebnis wir geradestehen. Auf Wunsch erfolgt die Umsetzung im laufenden Betrieb, sodass Ihr Wechselgeschäft weiterläuft. Ein Ansprechpartner begleitet Sie von der Aufnahme vor Ort bis zur Übergabe.

Eine professionelle Reifen- und Räderlagerung besteht aus drei Bausteinen: geeignete Umgebungsbedingungen, ein Regalsystem mit definierter und gleichmäßiger Auflage sowie klare Prozesse für Kennzeichnung und Ausgabe nach dem FIFO-Prinzip. Räderregale bilden dabei die technische Grundlage, die Serienwahl richtet sich nach Geschosszahl und Schutzbedarf. Wer diese drei Bausteine zusammenbringt, erhält den Zustand der Ware, beschleunigt den saisonalen Wechsel und schafft die Kapazität für zusätzliche Kunden.

Sie überlegen, Ihr Räderlager zu erweitern oder neu zu strukturieren? Schreiben Sie uns. Wir sehen uns Ihre Fläche an und entwickeln einen Vorschlag, der zu Ihrem Bestand passt.